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Gina Mattiello im Literaturhaus Wien

Am Montag, dem 11. Mai um 19 Uhr stellt Gina Mattiello „Aufzeichnungen einer Blinden“ im Literaturhaus Wien vor.

»All Menschenwesen sind Blinde füreinander.« – Hélène Cixous

»ihre finger glitten über die seite, tasteten die erhebungen und vertiefungen ab, versuchten zu begreifen. sie war gewappnet mit einer fingerkuppe, die voraussah, die im voraus begriff: sie würde leben an der grenze von schrift.«

200 Jahre Brailleschrift — dieses Jubiläum war für den Verlag Edition Eremitage am Kamp Beweggrund, Aufzeichnungen einer Blinden als Buch herauszugeben. Der Text von Gina Mattiello wurde von büro lunaire als Hörspiel realisiert — abrufbar im Buch über einen QR-Code.

Das Buchprojekt entstand in der Absicht, die verschiedenen Ebenen des Hörens, Lesens und Tastens miteinander zu verbinden und so ein lustvolles Erleben des Textes und der Musik zu ermöglichen. Um eine Verbindung zwischen den unterschiedlichen Wahrnehmungsformen herzustellen, wurde das Buch in Braille- und Schwarzschrift übereinandergelegt.

Aufzeichnungen einer Blinden beruht auf Gesprächen mit nichtsehenden Menschen, die den Entstehungsprozess begleitet haben, sowie einer Suchbewegung im Schreiben, die wie ein Tasten im Ungewissen verläuft.

Bei der Buchpräsentation liest Gina Mattiello abwechselnd mit Beate Hattinger (Leitung des Braille-Zentrums, Bundes-Blindeninstitut Wien) aus der Schwarz- und Brailleschrift. Zu hören sind Kompositionen von Reinhold Schinwald — Ausschnitte aus dem Live-Hörspiel von büro lunaire. Die Musik speist sich aus Geräuschen, die dem Text entnommen sind oder mit dem Vorgang des Lesens von Blindenschrift in Zusammenhang stehen: Das akustische Abbild beim Lesen von Brailleschrift wird hörbar gemacht. Es entstanden Schlagwerkkompositionen, die sich in einer gewissen Nähe zum Text bewegen und Assoziationsräume schaffen (Schlagwerk: Igor Gross). Im Gespräch mit Verleger Clemens Feigel (Edition Eremitage am Kamp) wird die Komplexität der Buchherstellung beleuchtet. Die Herausforderung, Schwarz- und Brailleschrift in derselben Positionierung übereinanderzulegen – die eine gedruckt, die andere geprägt – führte in einem monatelangen Prozess zu einem haptisch einzigartigen Buch, das sich dem Wettbewerb um das schönste Buch Österreichs 2025 stellt.

Literaturhaus Wien
Seidengasse 13
1070 Wien