Rezension
Wolfram Kautzky
Wortklauberei + Wortklauberei 2
Wortklauberei:
Seifert Verlag 2024, 112 Seiten
ISBN 978-3-904123-95-2
Wortklauberei 2:
Seifert Verlag 2025, 116 Seiten
ISBN 978-3-903583-08-5
Kann man Zeitungskolumnen aneinanderreihen und ein Buch draus machen? Man kann. Von Wolfram Kautskys Woche für Woche im KURIER erscheinenden Wortklaubereien liegen bereits zwei Bände vor. Der erste Band, 2024 erschienen, ist liebevoll bereichert durch Karikaturen von Martin Neubauer. Diese sind in sich selbst superbe Illustrationen zu den einzelnen Kolumnen, von denen jede zumindest ein herzliches Lachen hervorbringt. Dabei bin ich nicht immer mit der Interpretation des Autors einer Meinung. So zum Beispiel beim Fundstück der Woche mit dem Namen „Bediente Terrasse“. Kautsky schließt auf gute Bedienung. Ich hingegen finde es eine freundliche Warnung, diese Terrasse nicht zu verwenden, da sie ja offensichtlich „bedient“, also gebrechlich ist.
Hoch anzurechnen ist es dem Autor, dass er über eigene Fehler lachen kann. So geschehen bei der Kolumne „Ode auf die Wampe“. Vife Gymnasiasten aus Wien Sechshaus korrigierten ihn: Ode an die Wampe. Mich hat die Überschrift auch gestört, aber ich hatte stattdessen die Berichtigung „Ode auf der Wampe“ – einen Fallfehler – erwartet.
Als alte Emanze stört mich das ewige Hinhacken aufs Gendern. Oft handelt es sich bei diesem Mäkeln über Gendern um das Kritisieren von Wendungen, die absichtlich von Gendergegnern verbreitet werden, damit Gleichgesinnte sich darüber empören können. So war das sicher ein Bosnigl, der in einem Anmeldeformular aus der Geschlechtsbezeichnung „divers“ die (englisch übersetzten) „Taucher“ machte, und sich dann insgeheim diebisch an der Kritik am Gendern freute. (Band 1, S. 22)
Band 2 startet mit einer trefflichen Darstellung der österreichischen Zeitungen:
„KURIER: Nach einem Bankomat-Coup stoppte die Polizei einen Täter mit Schuss.
Krone: Polizei schießt auf Bankomat-Sprenger.
Heute: Bankomat-Sprenger in Hintern geschossen.“
Im zweiten Band gibt es statt Karikaturen Fotos, die den Karrikatur-Kauz nicht wirklich ersetzen, aber dafür stehen am Schluss zwei kurze, sehr vergnügliche Tests über die richtige Rechtschreibung.
Beide Bändchen eignen sich vorzüglich als Mitbringsel für Abendeinladungen, noch dazu, wo Blumen und Bonbons immer teurer werden. Bei Kaffee und gemütlichem Zusammensitzen heben Lesungen aus den „Wortklaubereien“ die Stimmung deutlich an und dem Abend ist ein schönes Ausklingen gesichert.
Irmtraut Karlsson (2026)