Rezension
René Gröger
Garantiert geiler als dein Leben
Storylution 2024, 80 Seiten
ISBN 978-3-7115-6834-2
Bei der Lektüre dieses Buches hatte ich spaßige 90 Minuten, die mich veranlassten, es langsamer ein zweites Mal zu lesen.
Schon der Titel und auch die erste Geschichte über das Schlachten von Flamingos provozieren. Dabei hätte der Autor Provokationen gar nicht nötig. Er ist ein Wortmagier, seine formulierende Brillanz besticht ganz für sich allein. Die Lust am Stabreim (Im Lockdown der Liebe, Panzerfäuste von Pazifisten, Worte wie Watschen), die Lust am verdrehten Doppelsinn, (fleißige Umnachtung, …war die Flasche halbleer, war ich halbvoll), oder die Todesverzweiflung wegen des ultimativen Hängers bei der Darbietung, all dies überzeugt den Leser.
Die Sammlung besteht aus 16 rasanten Miniaturen, keine wie die andere. Die Form ist streng, zumindest was die Länge betrifft. Stets genau drei Seiten. Ideal zur Überbrückung unnötiger Werbepausen im Oldschool-TV.
Vom Inhalt her hetzen die Geschichten vom Leben zum Tod, streifen alles dazwischen. Stroboskop-artig blitzen Gedanken zwischen den Zeilen hervor, ähnlich wie bei Jack Kerouacs ‚Unterwegs‘, aber anders getaktet. Nicht auf Speed, sondern auf Insta.
In manchen der Geschichten hält der Autor seinen erzählerischen Furor im Zaum, gibt dem Leser eine lyrisch schöne Atempause. Der Ampelaugenblick, für mich einer der Höhepunkte des Buches, ist ein solcher Moment des Durchatmens, des Seufzens, des angenehmen Déjà-vu.
Der Band ist aufwändig und optisch interessant gestaltet. Der Autor beweist sein Multitalent, indem er auch für die Covergestaltung und die ansprechenden Collagen verantwortlich zeichnet, die jeder der Geschichten vorangestellt sind.
Das Buch ist lesenswert, unterhaltend, hintergründig und nachwirkend. Provokant allemal. Man ist sofort verführt, manche der Formulierungen zu plagiieren und sie in den eigenen Wortschatz aufzunehmen. Die ‚anerkannten Alkoholiker‘ beispielsweise werde ich nie mehr vergessen.
Das Buch ist ein ideales Geschenk. Der Beschenkte muss sich nicht durch siebenhundert Seiten unterschwellige Bedeutsamkeit ackern. Ganz im Gegenteil. Schon nach drei Seiten folgt ein Resümee, oder nicht?
Außerdem bietet schon der Titel sofort Anknüpfungspunkte für interessante Gespräche über das Leben des Beschenkten.
Zum Autor fallen mir schließlich noch zwei Liedzeilen frei nach David Bowie ein:
Too old to lose it, too young to choose it.
And the clock waits so patiently on your book.
Wolfgang Weinlechner (2026)