Rezension
Jutta Treiber / Alex Nemec
Eisbärs Eissalon
wortweit-Verlag, 24 Seiten
ISBN 978-3-903326-31-6
Zuerst der Plot in einem Satz: In seinem Salon serviert der Besitzer seinen Artgenossen (meist) das ihnen entsprechende Gefrorene.
Dann, am besten, ich gestehe es gleich: Diese Rezension stammt nur teilweise von mir: Ich zog als Experte meinen jüngsten Enkel bei, mit durchaus etwas überraschenden Momenten. Vielleicht hat das mit der Sprache zu tun: Ich musste ihm etwa «Eis» zur hier in Basel üblichen «Glace» übersetzen und den «Heidel-» zum «Blaubären» umtexten. Auch fallen beim gemeinsamen Lesen dann die Austriazismen wie «I-Tüpferl» oder «Stanitzel» speziell auf, wobei allerdings eine Übersetzung dann und wann durchaus einfach gehen mag, wenn «grauslich» zu «gruusig» wechselt oder «Bärendreck» zu «Bärentatzen» mutiert. Das allerdings sind letztlich Petitessen, die das immens Anziehende des Buchs nicht schmälern können.
Für die höchst amüsanten Wortspielereien war’s beim Buben altershalber noch etwas zu früh, dafür aber folgten wir zwei genießerisch dem Sprachfluss mit seinen Höhen und Tiefen, wobei der allseits (inhaltliche) Schwenk von -bär (wie Erdbär / Brombär) zu -beer (wie Himbeer / Stachelbeer) stets neu aufhorchen lässt – und die Augen unwiderstehlich auf die Bilder lenkt.
Sie haben nicht nur quantitativ einen sehr hohen Anteil an den Buchseiten und damit an der Gesamtwirkung. Die verschiedenen Bärentypen sind in Bezug auf das implizierte Beerenfeld dementsprechend farblich abgesetzt, lassen sich durch Blau oder Erdbeerrot usw. gut identifizieren und rasch zuordnen. Apropos Farben: am besten gefällt meinem Kleinen ausgerechnet der graue Waschbär, der jedoch auch einen besonders treuen Augenausdruck erhielt.
Der durchgehenden qualitativen Höhe des Textes stehen die Illustrationen nicht nach. Als besonders kindgerecht erweist sich, dass ein «Fotoblick» vermieden wird und die Figuren sich in einer korrekten, aber betont verallgemeinernden Form zeigen. Wunderbar kann über die Buchseiten da die Fantasie schweifen – und somit die erzählte Geschichte ergänzen, ja dieses Ausmalen (!) des Gesehenen verweist stark auf den beistehenden Textkommentar zurück.
Ein wirkliches Gesamtkunstwerk zweier eng aufeinander abgestimmter Sparten also, das das kleine träumende Mädchen zu Beginn und zum Schluss einbezieht: «Lächelnd schläft Stella ein. Vielleicht träumt sie weiter.»
Nehme ich meines Enkels und meine Eindrücke im Ganzen, lautet die Schlussfolgerung: Das Buch ist nicht nur äußerst empfehlenswert, sondern für Kind und Opa ein rechter Genuss. Es lebe die Glace, pardon, das Eis!
Martin Stankowski (2026)