Rezension
Petra Sela
Der Sohn des Gärtners
Österreichische Haiku Gesellschaft 2026, 192 Seiten
ISBN 978-3-9505598-8-0
Der vorliegende Roman „Der Sohn des Gärtners“, für dessen Manuskript Petra Sela den Theodor-Körner-Preis erhalten hat, erzählt die Geschichte einer Flüchtlingsfamilie, die ähnlich der Lebensgeschichte Jesu angelegt ist. Als Namen der handelnden Figuren dienen dabei Kennzeichnungen, Nummerierungen bzw. Eigenschaften. So heißt die Hauptperson Nummer Eins auch Sohn des Gärtners und die Freundin, die später seine Ehefrau wird, Zimtsternchen (als Bäckerstochter) oder Nummer Zwei.
Tiger, die Nummer Drei und Sohn der Pfarrersköchin, hat etliche Jahre im Land der goldenen Dächer verbracht, was möglicherweise Tibet, Nepal oder Indien sein müsste.
Weitere Personen, bis zur Nummer Dreizehn, bilden das Personal des Romans, das sich als Wohngemeinschaft im Dorf ansiedelt und von der Dorfgemeinschaft ablehnend bis skeptisch empfunden wird.
Der Sohn des Gärtners wird nach und nach zu einer Führungsfigur, überzeugt durch Worte und aggressionslose Taten. Von vielen im Dorf wird er nun geachtet, aber unter den Mächtigen gibt es auch Neider.
Während einer Karnevalsveranstaltung missbraucht der Bürgermeister eine junge Frau, die während der Vergewaltigung stirbt. Der Bürgermeister bezichtigt den Sohn des Gärtners der Tat, er besticht zu diesem Zweck Leute und lässt Beweismittel fälschen.
Nummer Eins, zwar unschuldig, aber ohne Beweise, wird verurteilt und ins Gefängnis gesperrt, wo er im Zuge einer Gefängnisrevolte getötet wird.
Im Laufe der Erzählung werden die Weltreligionen behandelt, nicht ausführlich, aber klar erkennbar. Nummer Eins wird posthum rehabilitiert und die Tat des Bürgermeisters publik.
Eindringlich und empathisch erzählt Petra Sela diesen Roman, der in siebzehn Kapitel unterteilt ist. Er hat beinahe einen therapeutischen Charakter, bleibt dabei aber gediegene, erzählende Literatur.
Rudolf Kraus (2026)