Franz Liszt

Er wurde im Kindesalter als der neue Mozart umjubelt und galt schon in jungen Jahren in den europäischen Kulturmetropolen als der größte Klaviervirtuose seiner Zeit. Gefeiert vom Publikum an den adeligen Höfen Europas, umschwärmt von Frauen jeglichen Alters – dennoch ist er ein beständig Suchender nach neuen Formen der Musik, der Religiosität – er empfängt 1865 die niederen Weihen des Abbé - und der Lebensgestaltung geblieben.

Am Zenit seiner materiellen Erfolge angelangt, wendet er sich der Mittdreißiger unter dem Einfluss seiner hinge­bungs­vollen Muse, der Fürstin Carolyne zu Sayn-Wittgenstein, vom vazierenden Virtuo­sen­leben ab und widmet sich fortan nur mehr seinem kompositorischen Schaffen und der Hofoper in Weimar. Eine angestrebte Eheschließung der beiden scheitert trotz jahrelangem Bemühen um ein Zustandekommen.

Seine „neue“ Musik, Werke voller Emphase, tief empfundener Religiosität und nicht selten von  martialischer Ausdruckskraft, stößt auf geteilte Aufnahme. Begeisterte Anhänger und leiden­schaftliche Ablehner der „neuen deutschen Musik“ liefern sich journalistische Duelle in den Musik­zeitschriften.

Seine selbstlose Hilfe für den jungen Richard Wagner und die vorbehaltlose Unterstützung dessen Werke (er bringt den „Lohengrin“ 1850 an der Weimarer Hofoper zur Uraufführung), die ihn insbesondere in den Wiener Kreisen um Johannes Brahms und Eduard Hanslick fast zur ‚persona non grata‘ gemacht hat, gerät auch dann nicht ins Wanken, als seine Tochter Cosima – verehelicht mit dem Lisztschüler und Wagnerförderer Bülow –  ihren Gatten verlässt und zu Wagner zieht.

Im Herbst seines langen Lebens, umgeben von Schülerinnen und Schülern, aus welchen namhafte Pianisten des zwanzigsten Jahrhunderts hervorgehen werden, pendelt Liszt zwischen Rom, dem Refugium der nunmehr zurückgezogen lebenden Fürstin, Budapest, wo der der ungarischen Sprache nicht mächtige und weitgehend unbedankt gebliebene Förderer des Konservatoriums jungen Talen­ten unentgeltlich zur Verfügung steht, und Weimar, seiner Wirkungsstätte, von welcher er den  Aufstieg Wagners und den Beginn der Bayreuther Festspiele miterlebt. Noch im hohen Alter, geschwächt und ermüdet durch das Auf und Ab seines Lebens, unternimmt er anstrengende Reisen und wird u.a. in Paris und London wie in früheren Zeiten gefeiert und umjubelt.

Am 31. Juni 1886 stirbt jener Mann, der die Genialität Wagners erkannte, dessen musikalische Ausdruckskraft Richard Strauß und Gustav Mahler den Weg ebnete und dessen Spätwerk das Tor zur Moderne für Arnold Schönberg oder Bela Bartok weit öffnete.   

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"Er hat den Speer der neuen Musik weit ins Land der Zukunft geworfen!" Dieser überlieferte Ausspruch der Fürstin Carolyne Sayn-Wittgenstein über Franz Liszt wird - in anderem Kontext – auch in Michael Stradals Novelle "Franz Liszt und das Geschenk der Madame Babèrre" (Edition Roesner, Mödling, 2010) erwähnt. 

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